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Hochbunker Körnerstraße: Ein besonderer Ort für besondere Kunst

Von Jürgen Brock-Mildenberger

Mit dem Einzug von Kunst und Kultur in das Gebäude des Hochbunkers Körnerstraße, zog sich die Mahnung gegen Krieg und Gewaltherrschaft wie ein roter Faden durch die zahlreichen Ausstellungen und Aufführungen.

Dokumentationen wie „Das kurze Leben der Jüdin Felice Schragenheim“( 1998), verfilmt unter dem Titel „Aimeé und Jaguar“, Installationen über drei Ebenen, wie „Never Trust Biographies (Andrea Morein, 2000) oder „Jacob´s Ladder“ (Tanya Ury, 2002) festigten den Ruf des Bunkers als Kulturort von besonderer Qualität weit über die Grenzen Kölns hinaus. Mehr als eintausend Besucherinnen und Besucher wurden während der langen Nacht der Kölner Museen im Herbst 2001 gezählt . Wenige Tage zuvor las Rupert Neudeck vor ca. 200 Zuhörern aus Heinrich Böll´s Kriegstagebüchern.

Dann war 2002 plötzlich Schluss, weil die Feuerwehr dringend Lagerraum benötigte. – und mit der Feuerwehr kam die Bauaufsicht: Veranstaltungen mit Menschen im Bunker – also das ging gar nicht. Die Feuerwehr stellte zwar schnell fest, dass die Idee mit der Lagerung doch keine so gute war, doch die Bauaufsicht machte nun Auflagen: Publikum nur noch im Erdgeschoss, Modernisierung der Elektrik und eine zweite abschließbare Toilette. Der Bezirksvertretung Ehrefeld gelang es mit Hilfe des Ehrenfelder Verein für Arbeit und Qualifizierung (EVA) die Auflagen zu erfüllen. Aber das Ganze hatte immerhin fünf Jahre gedauert.

Die Wiedereröffnung im Mai 2007 mit der bitterbösen Parodie „60 Jahre Sieg“ der Weissrussin Marina Naprushkina, die sie „ihrem Diktator“ Alexander Lukaschenko gewidmet hatte, zeigte, dass die Thematik Gewaltherrschaft an Aktualität nichts verloren hatte. Auch Esther Kusche und Rainer Kiel deren aktuelle Ausstellung „Einwegwelt“, die sich mit der globalen Umweltzerstörung auseinandersetzt, verweisen in ihrem Flyer auf die „Absurdität eines solchen Schutzraumes, der sich … als anachronistisches Relikt darstellt.“

 

Bewährt hatte sich vor allem das aus den Umständen entwickelte Konzept, die künstlerische Auseinandersetzung mit dem realen Funktionsraum Bunker von all denen zu fordern, die dort ausstellen wollen. Die Einzigartigkeit des Raumes besteht eben zunächst darin, keine weitere Nutzung zuzulassen – anders als in Köln-Mülheim, wo ein ähnlicher Ort zum Veranstaltungszentrum mit Gastronomie ausgebaut wurde. Dies sollte auch so bleiben, den „Bunker-light“ wäre ein Rückschritt. Eine gute Übersicht bisheriger Arbeiten bietet: http://www.kulturkoeln30.de. (jbm)

4Veedel.de meint:

Der Hochbunker Körnerstraße muss als Gedenk- und Kulturort erhalten bleiben!

 

Siehe auch: Schluss mit Kultur im Hochbunker Körnerstraße?

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