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Ehrenfeld ist keine Schneekugel! – Eine Replik

Grundlage der Planung am Kwatta-Park

Anders als im Stadtanzeiger dargestellt, ist die Basis der Gestaltung des Kwatta Parks und seiner Umgebung die Rahmenplanung Ehrenfeld/Ost (.. und nicht Ehrenfeld/West !). In der vom Rat der Stadt Köln 1988 be-schlossenen Rahmenplanung Ehren-feld/Ost ist das Grundstück Roßstr. 2 für eine Blockrandbebauung mit dahinter liegendem Garten vorgesehen. Davon unbeschadet, grenzt daran die Park-fläche in ihrer heutigen Ausdehnung an – ohne, dass der Eingang dazu ein-geschränkt wird. Der Neubau bietet sogar die Chance, dass die soziale Kontrolle hier verbessert wird. (jbm)

von Andreas Pöttgen

 

Der Kölner Stadt-Anzeiger berichtete in seiner Stadtteilausgabe vom 12. Juli über Bürgerproteste am Kwatta-Park. Heribert Rösgen schrieb dazu einen Kommentar, der einen Einspruch! geradezu herausfordert.
Als Ehrenfelder Bezirksvertreter und Leser des Kölner Stadt-Anzeiger möchte ich Einspruch! gegen die einseitige Berichterstattung und schmalspurig gedachte Kommentierung einlegen:

„Der kleine Kwatta-Park ist nicht zuletzt dank des Bürgerengagements zu einem Kleinod im Veedel geworden“ schreibt Heribert Rösgen in seinem Kommentar zur anstehenden Bebauung an der Roßstraße 2 und den damit verbundenen Bürgerprotest. Recht hat er! Das beherzte Ergreifen der Initiative seiner Bürgerinnen und Bürger macht Ehrenfeld an vielen Stellen liebens- und lebenswert.

Bedauerlich ist, dass die Berichterstattung über diesen konkreten Fall nicht ausgewogen ist. Der Sachverhalt der anstehenden Bebauung wird lediglich von einer Seite dargestellt. Es wird allgemein von „Wohnblocks“ gesprochen, der Park an der alten Schokoladenfabrik werde gar „zugebaut“. Fakt ist, dass ein an den Park grenzendes Grundstück von einer Baugemeinschaft nun für Wohnraum genutzt werden soll. Dies wird kein„Wohnblock“, wie sie einem mit Plattenbauten gedanklich direkt in den Kopf schießen. Auch wird der Park nicht zugebaut. Kein einziger Zentimeter Parkfläche wird uns Ehrenfeldern durch das Bauprojekt genommen.

In dem Artikel von Herrn Rösgen lesen wir von der Befürchtung der Engagierten, dass der Park zukünftig weniger gut einsehbar und damit keiner sozialen Kontrolle mehr ausgesetzt wäre. Guckt man sich die Situation vor Ort an sieht man Bäume und Büsche auf dem Baugrundstück, die jede Einsicht in den Park verhindern. Vielmehr möchte ich noch die These aufstellen, dass der Park zukünftig durch die engagierte Baugemeinschaft einer höheren sozialen Kontrolle betreut wird. Wer möchte schon „unerwünschte Personen“ hinterm eigenen Haus haben?

Allgemein passt die Entwicklung des Protestes rund um den Kwatta-Park in das Ringen Ehrenfelds mit der Gentrifizierung. Ehrenfeld ist das angesagteste Veedel der Stadt – man kann es unter anderem an den explodierenden Mietpreisen ablesen. Aber unser Stadtteil ist nicht deswegen so begehrt, weil hier die schönsten Villen stehen. Es sind die Leute und das Lebensgefühl, gepaart mit einer guten (sozialen) Infrastruktur, die unsere Straßenzüge zum Anziehungspunkt für Viele machen.

Jetzt sind es so viele, die gerne nach Ehrenfeld ziehen würden, dass der Wohnungsbau nicht hinterher kommt. Kriegslücken sind zu großen Teilen geschlossen, Nachverdichtungen bergen an jeder Ecke sozialen Sprengstoff – wie die Bebauung Alpener/Marienstraße zeigt. Einige wenige große Flächen sind noch frei und könnten in den nächsten Jahrzehnten bebaut werden, aber dann ist langsam Schluss mit neuem Wohnungsbau.

Sowohl in der transportierten Meinung der Engagierten des Kwatta-Parks als auch im Kommentar des Alt-Ehrenfelder Heribert Rösgen liest sich eine Haltung des „Jetzt reicht es!“ heraus. Als ob man Ehrenfeld in eine Schneekugel stecken und auf die Anrichte stellen könnte und selbstzufrieden sagt: „Schön ist es!“. Ja, Ehrenfeld ist ein Lebensgefühl. Kernelement der Ehrenfelder Seele ist der Wandel. Von der Industrie- zur Arbeiterstadt, hinüber ins Armenviertel, in dem sich nachts niemand über die Straße traut. Pioniere der 70er und Sanierungsprogramme der 80er waren der Grundstein für den Höhepunkt, den wir mit Ehrenfeld momentan erleben. Momentan beschleicht mich das Gefühl, dass Ehrenfeld kippt. Einfach gestrickte „Ureinwohner“ werden verdrängt, weil sie sich die Mieten nicht mehr leisten können oder vom neuen Vermieter vor die Tür gesetzt werden. Hinzu kommt, dass sich der Pulsschlag der Partyszene in absehbarer Zeit wohl deutlich verlagern wird, zeitgleich
schwappt die Kreativwirtschaft a la Belgischem Viertel immer mehr zu uns hinüber. Uns blüht die zweite Südstadt.

Kann man das verhindern? Wohl kaum. Ehrenfeld ist Wandel, Ehrenfeld ist aber auch Lebensgefühl. Da ist es schön, dass viele diese tolerante, offenes und kommunikative Lebensweise für sich in unserem Veedel entdecken. Doch nur weil es so viele sind können wir nicht sagen wir machen die Schotten dicht a la „Das Boot ist voll“. Das ist nicht Ehrenfeld.

Schließen möchte ich mit einem Zitat aus der für mich inoffiziellen Ehrenfeld-Hymne, von Björn Heuser – „Ihrefeld läv“:

„Dat es ming Revier hee

un jenau so jod ding.

Wann do wells, kanns de blieve,

Op jeden Fall bes de nit allein.

Wat och kütt, do wees spüre

Dat hee irjend jet es.

Mer kann et nit erkläre

op jeden Fall es et met Hätz.“

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