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Den Hochbunker Körnerstraße als Erinnerungs- und Kulturort erhalten!

 

Die Projektgruppe Hochbunker hat einen offenen Brief für den Erhalt des Hochbunkers in der Körnerstraße als Erinnerungs- und Kulturort verfasst:

Der Hochbunker Körnerstraße in Köln- Ehrenfeld befindet sich im Eigentum der Bundesimmobilienanstalt (BIMA). Die BIMA hat angekündigt, den Hochbunker veräußern zu wollen. Das ist nachvollziehbar, da die bisherige Mieterin, das Amt für Feuerschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz der Stadt Köln, den Bunker nicht mehr benötigt.

So dies bedeutet, dass wir zum Schutz der Bevölkerung auf Bunker verzichten können, ist dies ein Grund zu großer Freude. Damit das auch so bleibt, bedarf es aber auch in Zukunft geschichtsträchtiger Orte, an denen Menschen animiert werden, sich mit den grundlegenden Werten unserer Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Deshalb sagen wir: „Wir brauchen den Hochbunker Körnerstraße.“

Im Sommer 2011 haben einige Ehrenfelder Künstlerinnen und Künstler spontan die „Projektgruppe Hochbunker Körnerstraße“ zur Rettung des unter Denkmalschutz stehenden Bunkers (Denkmalliste Liste NRW Nr. 7443) gegründet.
Das Interesse, sich an diesem Ort mit seiner ganz eigenen Atmosphäre mit Fragen der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen, ist bei Künstlern und Besuchern ungebrochen. Das hat zum einen damit zu tun, dass der Hochbunker Körnerstraße seit dem II. Weltkrieg nahezu unverändert erhalten geblieben ist – also „Bunker pur“ – und zum anderen damit, dass er 1942/43 in direkter Nachbarschaft der Ehrenfelder Synagoge, die die Nazis 1938 niedergebrannt haben, errichtet wurde.

Der Hochbunker Körnerstraße ist für uns die in Beton gegossene Mahnung: Nie wieder Krieg! Nie wieder Faschismus!

Der Hochbunker ist in jedem Jahr am 10. November der Ausgangsort für den Schweigemarsch zum Gedenken an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 und an die am 25. Oktober und 10. November 1944 in Ehrenfeld ermordeten Zwangsarbeiter und Edelweißpiraten. Herr Wirges, als Bezirksbürgermeister, ist Schirmherr der Gedenkveranstaltung. Herr Roters, früher als Regierungspräsident von Köln und jetzt als Oberbürgermeister, ist regelmäßiger Gast der Gedenkfeier.


„Erinnerungsarbeit und Zukunftsgestaltung sinnlich und fest miteinander verbinden“. (Felix Droese)

1981 führte Daniel Spoerri, damals Professor an den Kölner Werkschulen, zusammen mit seinen Studenten im Rahmen des Festivals “Theater der Welt” die Kunst- Aktion “Promenade sentimentale” durch. Auf der Liste ungewöhnlicher Orte, an denen künstlerische Inszenierungen stattfanden, stand auch der Ehrenfelder Hochbunker, der damals mit blauem Notlicht nur schwach beleuchtet war. Dies war vermutlich die “Stunde Null” mit einer erstmaligen künstlerischen Nutzung des Bunkers.
1989 konnte dann Dank der Unterstützung des damaligen Bezirksvorstehers Günter Rombey die erste Ausstellung „Gestaltwechsel“ des Künstlers Felix Droese stattfinden.
Seither haben im Hochbunker Körnerstraße zahllose Ausstellungen, Performances, Konzerte und Lesungen stattgefunden, die überwiegend für diesen speziellen Ort konzipiert wurden.
Der Bunker, obwohl häufig als beklemmend oder bedrückend wahrgenommen, ist gleichwohl „Schutzraum“. Hier ist man abgeschnitten von allen Alltagsgeräuschen, tages- und jahreszeitlichen Einflüssen – und durch 1,40 m dicke Betonmauern – auch ohne jeglichen Handyempfang. Hier bietet sich Gelegenheit zum Innehalten und in sich Hineinhören, aber auch zur Kommunikation. Nicht nur Kunstinteressierte finden den Weg in den Bunker, häufig schauen auch mal Nachbarn in den Bunker hinein oder ältere Ehrenfelderinnen und Ehrenfelder, die ihre persönlichen Erinnerungen aus ihrer Kindheit und Jugend mitbringen.

Deshalb sagen wir: „Wir brauchen den Hochbunker Körnerstraße.“
Die Bezirksvertretung Ehrenfeld und das Kulturamt haben in 2007 notwendige Brandschutzmaßnahmen finanziert und dafür gesorgt, dass das Erdgeschoss als Veranstaltungsraum genutzt werden kann. Das Erdgeschoss des Hochbunkers soll auch in Zukunft über die Bezirksvertretung Ehrenfeld Künstlerinnen und Künstlern als Veranstaltungs- und Ausstellungsort kostenlos zur Nutzung überlassen werden können.
„Dass der Hochbunker durch seine abschreckende Aura von Beton und Lebensfeindlichkeit dort ausgestellten Kunstwerken eine besondere Tiefe verleiht, ist der Grundsatz von Ehrenfelder Künstlern und Politikern.“ (Hans Willi Hermanns, Kölnische Rundschau, 23. August 2011.)

Der Hochbunker Körnerstraße soll als Denkmal möglichst unverändert erhalten bleiben. Der Hochbunker soll als Erinnerungs- und Kulturort öffentlich genutzt werden und damit erlebbar bleiben. Wir fordern die Stadt Köln daher dringend auf, den Hochbunker Körnerstraße als Erinnerungs- und Kulturort zu erhalten und mit der BIMA in Kaufverhandlungen einzutreten.

Wir, die Projektgruppe Hochbunker Körnerstraße treten aktiv für den Erhalt des Bunkers als Erinnerungs- und Kulturort ein. Dazu eine kurze Darstellung der bisherigen und geplanten Aktivitäten:
Die Projektgruppe hat Unterschriften für den Erhalt des Bunkers als Erinnerungs- und Kulturort gesammelt, die wir in der Sitzung der Bezirksvertretung Ehrenfeld am 28. November 2011 übergeben werden.
Bisher haben für den Erhalt des Hochbunkers Körnerstraße bereits über 600 Menschen unterschrieben. Ehrenfelderinnen und Ehrenfelder von 8 bis 88, Künstler und Kunstinteressierte aus aller Welt, darunter namhafte Vertreterinnen und Vertreter aus Kultur und Wissenschaft wie:

Gerhart Baum, Bundesminister a. D.
René Böll, Künstler
Prof. Walter Dahn, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Felix Droese, Künstler
Professor Hartmut Neumann, Hochschule für Bildende Künste Braunschweig
Professor Georg Herold, Kunstakademie Düsseldorf
Navid Kermani, Schriftsteller und Orientalist
Professor Kasper König, Direktor Museum Ludwig Köln
Professor Dr. Erwin Orywal, Institut für Ethnologie Universität zu Köln
Wolfgang Niedecken, Musiker und bildender Künstler
Professor Heribert C. Ottersbach, Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig
Günther Wallraff, Journalist und Schriftsteller
Professorin Anja Wiese, Fachhochschule Bielefeld
Olaf Zimmermann, Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates

Die Projektgruppe hat erstmals eine eigene Homepage für den Hochbunker eingerichtet:
www.hochbunkerkoernerstr.wordpress.com

Hier wird über den Hochbunker und seine Geschichte berichtet, wird erläutert, wie sich Künstler für den Hochbunker mit einer Projektidee bewerben können und erstmals werden zentral alle aktuellen Ausstellungen angekündigt.
Eine Dokumentation aller Ausstellungen der vergangenen Jahre, soweit dies noch nachvollziehbar ist, ist in Arbeit. Doch allein anhand der Veranstaltungen, die im Jahr 2011 stattgefunden haben und noch stattfinden werden, soll und kann aufgezeigt werden, wie vielseitig der Hochbunker nutzbar ist und interpretiert werden kann.
Die Projektgruppe stellt sich den Verantwortlichen aus Politik und Verwaltung zur Verfügung, um an einer tragfähigen Lösung zum Erhalt des Hochbunkers Körnerstraße als Erinnerungs- und Kulturort mitzuwirken.
Die Projektgruppe bietet der Bezirksvertretung langfristig an, für den Hochbunker auch künftig ein anspruchsvolles Programm mit Künstlerinnen und Künstlern aus Ehrenfeld und der ganzen Welt zu koordinieren.
Wir hoffen auf ihre Unterstützung zum Erhalt des Hochbunkers Körnerstraße und freuen uns auf einen konstrukiven Dialog.

Mit freundlichen Grüßen

Projektgruppe Hochbunker Körnerstraße

 

Siglinde Kallnbach Rainer Kiel
Künstlerin und Kuratorin, a performancelife e.V. Künstler

Winfried Kirches Esther Kusche
Künstler und Kurator, Kunstraum Ba Cologne Künstlerin

Roland Neuburg Jürgen Raap
Kurator, Lenauforum e.V. Künstler und Kulturjournalist

Hubert Steins
Medienkünstler und Kulturjournalist

Petra Bossinger
Bezirksvertreterin Ehrenfeld (SPD)

Gleichlautendes Schreiben erhalten:
Oberbürgermeister Jürgen Roters, Bezirksbürgermeister Josef Wirges, die Vorsitzenden der Ratsfraktionen: Martin Börschel (SPD), Winrich Granitzka (CDU), Barbara Moritz (Bündnis 90/ Die Grünen), Ralph Sterck (FDP), Jörg Detjen (DIE LINKE), Dr. Eva Bürgermeister – Vorsitzende des Kulturausschusses, Jörg Frank – Vorsitzender des Liegenschaftsausschusses, Dezernent Professor Georg Quander, Dezernentin Ute Berg, die Vorsitzenden der Fraktionen in der Bezirksvertetung Ehrenfeld: Hans- Peter Juretzki (SPD), Christiane Martin (Bündnis 90/Die Grünen), Jutta Kaiser, (CDU) sowie Marlies Poettgen (FDP) und Yesim Yesil- Bal (DIE LINKE), Bürgeramtsleiterin Ehrenfeld Bettina Scheunemann

2 comments. Leave a Reply

  1. BUNKER-SOLIDARITÄT: Der Hochbunker Körnerstrasse Köln-Ehrenfeld ist in seiner Existenz als Kulturort gefärdet. Bitte unterstützt unser Vorhaben – ihn als Kulturort zu erhalten – auch mit dem Besuch unserer Veranstaltungen! Der Eintritt ist frei.
    Über Interesse/Weitersagen,-mailen/Verbreiten und/oder Kommen freuen wir uns.
    ————————————————————————————————
    Performances für den Erhalt des Hochbunkers
    Köln-Ehrenfeld als Kunstort am Freitag 9.12. und Samstag, 10.12 2011
    kuratiert von Siglinde Kallnbach
    ————————————————————————————————
    Fr 9. Dez. 2011 Beginn: 19.00 Uhr
    Bleib – Bunker-Solidaritäts-Performances
    KünstlerInnen: Rolf Hinterecker, Siglinde Kallnbach, Jürgen Raap,
    Regina M. Bussmann, Inge Broska, Erika von der Heide,
    Performance-Gruppe „FehltWas?“ (Kallnbach, Raap, Bussmann)
    ———————————————————————————————–
    Sa 10. Dez. 2011 Beginn: 19.00 Uhr
    1.) Demo-GraphurPetra Deus, Waltraud Caspari-Philips, Performance-Gruppe “FehltWas?“ (Kallnbach, Raap, Balk)
    2.) Lautspalter, frei improvisierte Musik:Tanya Ury (improvisierte Gedichte) mit Sebastian Schaffmeister (Bass),Takashi Mitsui (Keyboard), Peter Alexius Worringer (Gitarre), Willi Strack (Percussion)

  2. Gerne zum Veröffentlichen … Liebe Grüsse von Ehrenfeld nach Ehrenfeld

    Und hier ist der andere Link zur Beteiligung des Vereins a performancelife am Karnevalsumzug…
    http://www.youtube.com/user/Mrsaperformancelife#p/u/6/Xo1ejaOUBT4

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