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Ein Ort des Grauens…

„Edelweißpirate han se sich jenannt..."

...Wo dat Blömche jeblöht hät, do wor Widderstand“. Mit diesen beiden Textzeilen bringt Rolly Brings auf den Punkt, was nach langer heftiger Kontroverse heute Konsens ist: Die Edelweißpiraten, eine freie Bewegung von Jugendlichen, die sich 1933 bis 1945 nicht von der vom NS-Regime propagierten Einheitsjugendorganisation HJ (Hitlerjugend) vereinnahmen lassen wollten, haben sich gegen autoritären Führerkult und nationalsozialistische Bevormundung aufgelehnt. Einige von ihnen haben dies am 10. November 1944 in Ehrenfeld mit dem Leben bezahlt. Alljährlich halten zahlreiche Kölnerinnen und Kölner am Ort der Hinrichtungen die Erinnerung an diese Ereignisse wach. Unter ihnen einige der letzten beteiligten Zeitzeugen Gertrud „Mucki“ Koch, Fritz Theilen und natürlich Jean Jülich, der seit Jahrzehnten unermüdlich die Erinnerung an die Kölner Edelweißpiraten als Widerstandskämpfer wach hält. Wie mag ihm zumute gewesen sein, als der damalige Regierungspräsident Jürgen Roters am 10. November 2004 öffentlich aussprach: „Die Edelweißpiraten haben Widerstand gegen den Nationalsozialismus geleistet.“ Vielleicht ergibt sich ja bald die Gelegenheit auch über den Vorschlag zu sprechen, den Rolly Brings dem Kölner Oberbürgermeister Jürgen Roters gemacht hat: Die Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln für Jean Jülich.

Gedenktafel für die Edelweisspiraten

von Jürgen Brock-Mildenberger

„Eine so verwahrloste Gedenkstätte, wie diese findet sich sonst nirgendwo auf der Welt.“ Mit dieser drastischen Einschätzung konnte man sich bis vor einiger Zeit konfrontiert sehen, wenn es um das Mahnmal ging, das sich seit über dreißig Jahren am Ehrenfelder Bahndamm in Nähe der Schönsteinstraße befindet.

Gepflegt wurde es nur sporadisch und meist nur an den Tagen um den 10. November. An diesem Tag treffen sich alljährlich hinterbliebene Zeitgenossen und Freunde der Jugendlichen die 1944 an dieser Stelle ihren Widerstand gegen totalitäre Bevormundung mit dem Leben bezahlen mussten. Daran erinnert auch die Bartholomäus-Schink-Straße, benannt nach einem der jüngsten Hingerichteten.

Neben der jährlichen Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur war das Mahnmal in letzter Zeit leider auch mehrfach Versammlungsort, wenn es darum ging gegen den Versuch einer rechtsradikalen Renaissance in Köln Flagge zu zeigen. Die übrige Zeit des Jahres macht dieser symbolträchtige Ort aber bisher einen eher verwahrlosten Eindruck.

 

Daher stellte die SPD-Fraktion im September 2009 einen Antrag in der Bezirksvertretung Ehrenfeld: „… dass das Mahnmal der Edelweißpiraten zu einer würdigen Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in Ehrenfeld ausgestaltet wird.“ Bezirksbürgermeister Josef Wirges berief hierzu ein Kuratorium ein, das im April erstmals tagte.

Neben engagierten Ehrenfelderinnen und Ehrenfeldern Parteienvertretern nahmen sowohl Rolly Brings und Jean Jülich als auch die Firma Bahnbögen Köln als potenzielle Nutzerin des Bahndamms teil. Schnell war klar, dass  kurzfristig ein Signal gesetzt werden sollte, um weitere Unterstützung für die nachhaltige Gestaltung einzuwerben.

Rolly Brings stellte dafür eine Zeichnung zur Verfügung, deren Realisierung auf der benachbarten Wandfläche den beiden Fassadenkünstler Ron Voigt und John Iven (Goodlack) anvertraut wurde.

In Absprache mit dem Kuratorium entwickeln sie eine zusätzliche bildnerische Gestaltung, die den gesamten Raum zwischen Denkmal und Venloer Straße zu einer neuen Ehrenfelder Attraktion machte: Ein (Edelweiß-)Piratenschiff segelt vor der Kulisse des zerstörten Köln, gegen den braun-grauen Strom aus uniformen Fanatikern und Mitläufern.

Allerdings kamen die beiden Künstler nicht so schnell voran, wie ursprünglich gedacht, da sie häufig von interessierten Passanten angesprochen wurden. Das Konzept kommt offensichtlich an. Die Fertigstellung dieses ersten Projektes, finanziert aus privaten Spenden, konnte im September 2010 gefeiert werden.

Dr. Werner Jung, Direktor des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln, mahnte in seinem Vortrag, auch die Erinnerung an die weitere rechtswidrige Hinrichtung von verschleppten Zwangsarbeitern am 25 Oktober 1944 nicht zu vernachlässigen. Trotz intensiver Forschung seien bisher noch nicht einmal alle namentlich bekannt. Man wisse nur, dass unter ihnen Russen und Polen gewesen seien – und es gibt die Vermutung, dass einige französisch gesprochen haben. Diese Anregung nimmt das Kuratorium zum Anlass, bei der weiteren Gestaltung diesen Aspekt der Geschichte stärker zu betonen. Ein erster Workshop mit Künstlerinnen und Künstlern, organisiert von Sabine Voggenreiter (Design Quartier Ehrenfeld), ergab, dass die weitere Gestaltung des Ortes eine erhebliche Herausforderung an Kreativität und Engagement darstellt. Vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten mit plastischen Materialien oder mit Licht stehen die ungewisse Zukunft der benachbarten Bahnbögen und die unwirtliche Umgebung entgegen.

Was kann ich tun ?

Da bekanntlich ohne Moos nicht viel los ist, bittet das Kuratorium um weitere Spenden von Privatmenschen, Organisationen und Firmen. Auch kleinere Beträge helfen, damit die würdige Gestaltung des Mahnmals, weiter gehen kann.

Finanzielle Zuwendung  nimmt die Bürgerstiftung Ehrenfeld entgegen:

Konto:            1901 966 679

Bankleitzahl:  370 501 98

Verwendungszweck: Edelweißpiraten

Die Stiftung stellt den gesamten Betrag dem Kuratorium für das Projekt zur Verfügung. Ein Beleg über den gemeinnützigen Zweck der Spende wird ausgestellt.

 

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