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Güterbahnhof Ehrenfeld “reloaded”

Stichwort "Urban Branding"

Urban Branding ist nach einer Studie des Nordic Innovation Centre, Oslo, das probate Mittel im Bemühen von Städten sich im Wettbewerb untereinander zu behaupten. Es geht um die Attraktivität einer Stadt für möglichst viele Touristen, Investoren, Firmenstandorte - kurz um Ansehen und Wohlstand. Signifikante Bauten, spektakuläre Events und andere Leuchtturmprojekte sollen kurzfristigen der materiellen Aufwertung dienen. Längerfristig bedarf es zwar Planungsstrategien für die erfolgreiche Sanierung des urbanen Images - und ohne institutionelle und infrastrukturelle Unterstützung von außen geht es auch nicht. Dafür aber können immaterielle Mittel wie Werbung, Mythen, Slogans und Logos von großer Bedeutung für eine positiven Imagewandel sein. In Köln glaubt man das zu kennen. Schattenseite dieser Formen von Urban Branding ist die Unterordnung aller Maßnahmen unter das Ziel des besseren Images. Darin liegt die Gefahr des Aufbruchs in die Gegensätzlichkeit: „triste Vorstädte hier und edle Szeneviertel dort. Ausgrenzung von Minderheiten, Spaltung der Gesellschaft, demographischer Wandel“ skizziert der Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtentwicklung der RWTH Aachen in der Ankündigung eines Seminars zum Thema.

von Katja Mildenberger und Jürgen Brock-Mildenberger

„Urban Branding“ gibt es noch nicht mal als Stichwort bei Wikipedia. Trotzdem lädt  der Verein „Jack in the Box“ die Kulturinteressierten – nicht nur aus Ehrenfeld – unter diesem Slogan zum „1. Netzwerktreffen der Kölner Kulturszene“ in die Gebäude am ehemaligen Güterbahnhof Ehrenfeld ein. Ziel der geplanten Reihe ist es, über regelmäßige Themenabende  die Vernetzung von Kulturschaffenden zu fördern.

Der ehemalige Güterbahnhof Ehrenfeld – ein im wahrsten Sinne cooles Ambiente – hat einiges von dem was unter Urban Branding (>Stichwort) kursiert: In die aufgegebene Nutzung einer zentrennahen Fläche haben sich Pioniere alternativer Nutzungsformen etabliert und planen weiter.

Gleichzeitig werden im Konsortium der Grundeigentümer Überlegungen über die optimale Vermarktung des Areals angestellt.

Dass diese offensichtlich auf der Stelle treten, macht es für die Alternativnutzer auch nicht leichter. Dies erläutert Sven Nowack vom dort ansässigen Beschäftigungsverein „Jack in the Box e.V.“, der sich auf das Recycling von Schiffscontainern spezialisiert hat. Er plädierte für eine creativ-gewerbliche Nutzung des Geländes und für sein Projekt als Keimzelle einer neuen Entwicklung dort.

Kölns Baudezernet Bernd Streitberger bekundete durchaus Sympathie für diesen Ansatz, betonte aber auch die rechtlichen Voraussetzungen, die den Eigentümern die primäre Entscheidungshoheit überlassen. Er wertete die Vergänglichkeit von Nischennutzungen auch als spezifischen Bestandteil dieser Art von Kulturerlebnis

Gleichwohl bestand bei den übrigen Diskussionsteilnehmerinne/n Einigkeit darin, dass die Kulturnutzung im baulich prekären Umfeld traditionell für Ehrenfeld ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal bedeutet. Das gelte es zu erhalten  – vielleicht indem man vorerst Schiffscontainer auf dem Gelände aufstellt, in denen gewerbliche und creative Existentgrünungen ein erstes zu Hause finden – oder man wartet einfach, bis jemand aus dieser Idee eine Marke macht.

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